Mixed Methods
All Episodes

Forschungsfragen, Sampling und Ergebnisdarstellung in Mixed-Methods-Designs

Eine fiktive MSc-Arbeit in der Arbeitspsychologie dient als roter Faden, um schrittweise Forschungsziele, quantitative und qualitative Forschungsfragen, Mixed-Methods-Designs, Samplingstrategien sowie die Integration und Ergebnisdarstellung in Mixed-Methods-Studien zu beleuchten. Die Folge orientiert sich eng an den Modulfolien und zeigt praxisnah, wie man von einem organisationalen Problem über eine integrierte Mixed-Methods-Forschungsfrage bis hin zu Stichprobenplanung und Ergebnispräsentation gelangt.

This show was created with Jellypod, the AI Podcast Studio. Create your own podcast with Jellypod today.


Chapter 1

Imported Transcript

Joahanna

Willkommen zurück im Podcast zur Einführung ins Modul Mixed Methods. Ich bin Joahanna und wie immer mit dabei ist Michael.

Michael

Hi zusammen, schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Heute basteln wir gemeinsam eine fiktive MSc-Arbeit in der Arbeitspsychologie – und nutzen die, um über Forschungsfragen, Sampling und Ergebnisdarstellung in Mixed Methods Designs zu sprechen.

Joahanna

Genau. Stellt euch vor, ihr schreibt eure Masterarbeit in einem Schweizer Unternehmen, das seit ein paar Jahren verstärkt auf mobile Arbeit setzt. Also Homeoffice, unterwegs arbeiten, vielleicht Co-Working-Spaces. Und gleichzeitig klagen einige Mitarbeitende über längere Pendelzeiten, andere über Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben.

Michael

Aus Sicht der Arbeitspsychologie ist das ein spannender Mix: Arbeitszufriedenheit, Commitment, Gesundheit, Zusammenarbeit im Team, Führung auf Distanz. Und natürlich die Frage: Wie gut funktioniert diese neue Arbeitsform eigentlich für die Leute?

Joahanna

Damit sind wir schon mitten im Forschungsprozess. In den Folien seht ihr ja dieses Modell von Plano Clark und Creswell, wo es damit losgeht, ein Problem zu identifizieren und dann die Literatur zu sichten. In unserem Fall wäre das Problem: Die Organisation führt mobile Arbeit ein, aber die Auswirkungen auf Mitarbeitende sind nur teilweise klar.

Michael

Und jetzt kommt ihr ins Spiel. Ihr wollt eine MSc-Arbeit machen, die der Organisation auch wirklich weiterhilft. Das heisst, ihr überlegt euch zuerst: Was ist mein Forschungsziel? Will ich eher explorieren, also neue Phänomene überhaupt erst einmal verstehen? Will ich beschreiben, erklären, vielleicht sogar vorhersagen oder konkrete Veränderungen anstossen?

Joahanna

Die Folien listen das sehr schön auf: Exploration, Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Beeinflussung. Für eine Masterarbeit sind meist eine Mischung aus Beschreibung und Erklärung realistisch. Vorhersage im Sinne von komplexen Prognosemodellen oder direkte Beeinflussung durch Interventionsstudien ist oft zu gross für den Rahmen.

Michael

Also sagen wir: Euer Ziel ist, zu erklären, wie mobile Arbeit mit Arbeitszufriedenheit und organisationalem Commitment zusammenhängt. Gleichzeitig wollt ihr verstehen, wie Mitarbeitende ihren Alltag mit mobiler Arbeit subjektiv erleben und bewältigen. Dann merkt ihr schnell: Ein rein quantitatives oder rein qualitatives Design wäre jeweils nur ein Teil der Antwort.

Joahanna

Genau da kommen Mixed Methods ins Spiel. Ihr wollt zum Beispiel quantitative Zusammenhänge messen – vielleicht per Fragebogen zu Zufriedenheit und Commitment – und gleichzeitig qualitative Interviews führen, in denen Mitarbeitende erzählen, wie sie ihren Arbeitsalltag gestalten, wie sie Pendeln, Homeoffice und Büro kombinieren.

Michael

Wichtig ist: Die Forschungsfrage leitet das Vorgehen von Anfang bis Ende, wie Christ und Weichbrodt betonen. Sie entscheidet über Design, Stichprobe, Methoden, Auswertung und auch über die Abgrenzung. Also was ihr explizit nicht macht.

Joahanna

Und sie entsteht nicht in einem Schritt. Es ist ein iterativer Prozess: Ihr lest Literatur, sprecht mit Betreuenden, schärft eure Ziele und merkt vielleicht, dass ihr von zu vielen Dingen gleichzeitig etwas wollt. Dann müsst ihr priorisieren. Gerade in einer Masterarbeit ist das super wichtig.

Michael

Lasst uns im nächsten Kapitel konkret an eurer fiktiven Arbeit durchspielen, wie man von diesen eher allgemeinen Zielen zu konkreten quantitativen und qualitativen Forschungsfragen kommt.

Michael

Wir starten mit dem Forschungsziel. In unserem Beispiel könnte das so klingen: Ihr wollt erklären, wie sich der Umfang mobiler Arbeit auf Arbeitszufriedenheit und organisationales Commitment auswirkt. Gleichzeitig wollt ihr explorieren, wie Mitarbeitende ihren Arbeitsalltag unter den Bedingungen mobiler Arbeit subjektiv strukturieren.

Joahanna

Damit habt ihr eigentlich schon zwei Stränge: einen eher erklärenden, quantitativen Strang und einen explorierenden, qualitativen Strang. Schauen wir zuerst auf den quantitativen Teil. In den Folien wird unterschieden zwischen deskriptiven, korrelativen, komparativen und strukturgebenden Fragestellungen.

Michael

Eine deskriptive Frage wäre zum Beispiel: Wie hoch ist die durchschnittliche Arbeitszufriedenheit in diesem Unternehmen und wie verteilt sich der Anteil mobiler Arbeit unter den Mitarbeitenden? Da geht es um Beschreibung von Häufigkeiten und Mittelwerten.

Joahanna

Eine korrelative Fragestellung knüpft daran an: In welcher Beziehung stehen der Umfang mobiler Arbeit und die individuelle Arbeitszufriedenheit? Oder: Wie hängt Arbeitszufriedenheit mit affektivem Commitment zusammen? Das sind klassische Zusammenhangsfragen.

Michael

Komparative Fragen könnten lauten: Unterscheidet sich die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitenden, die überwiegend mobil arbeiten, von jenen, die überwiegend vor Ort arbeiten? Oder gibt es Unterschiede zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden ohne Führungsverantwortung?

Joahanna

Und strukturgebende Fragen gehen schon einen Schritt weiter, etwa wenn ihr mit Faktorenanalysen oder Strukturgleichungsmodellen arbeiten wollt, um zu prüfen, wie sich verschiedene Faktoren zu einem Modell der Zufriedenheit oder des Commitments zusammenfügen. In einer typischen Masterarbeit ist das möglich, aber man muss die Stichprobengrösse im Blick behalten.

Michael

Auf Basis dieser Fragestellungen kommen dann Hypothesen ins Spiel. Die Folien zeigen schön, wie man von inhaltlichen Hypothesen zu operationalen Hypothesen und Testimplikationen kommt. Inhaltlich könnte man sagen: Wenn sich die Ausprägung der allgemeinen Arbeitszufriedenheit verbessert, dann steigt auch das affektive Commitment gegenüber der Organisation.

Joahanna

Operationalisiert könnte das heissen: Je höher der Summenscore auf einer Skala zur Arbeitszufriedenheit, desto höher der Summenscore auf einer Skala zum affektiven Commitment. Und eine spezifische Hypothese könnte eine erwartete mittlere Korrelation angeben, sagen wir r gleich .6, wenn das theoretisch begründbar ist.

Michael

Jetzt drehen wir die Perspektive und schauen auf den qualitativen Teil. Da schlagen die Folien Helfferichs Dreischritt vor: Forschungsinteresse, Forschungsfrage und Forschungsgegenstand. Euer Forschungsinteresse wäre vielleicht: Ein umfassendes Verständnis davon zu entwickeln, wie Mitarbeitende mobile Arbeit in ihrem Alltag gestalten und welche Ressourcen oder Belastungen sie erleben.

Joahanna

Die Forschungsfrage muss konkreter sein und als echte Frage formuliert werden. Zum Beispiel: Wie bewältigen Mitarbeitende ihren Arbeitsalltag bei hohem Anteil mobiler Arbeit, und wie stellen sie Zusammenarbeit und Erreichbarkeit im Team her? Oder: Welche Unterschiede zeigen sich zwischen Mitarbeitenden mit sehr positiver und sehr negativer Bewertung mobiler Arbeit?

Michael

Der Forschungsgegenstand benennt dann die Art des Datenmaterials, das ihr braucht. In unserem Fall könnten das problemzentrierte Interviews oder halbstrukturierte Leitfadeninterviews sein, in denen Mitarbeitende erzählend schildern, wie sie ihren Tag organisieren, wann sie pendeln, wann sie im Homeoffice sind und wie sie mit Kolleginnen und Kollegen in Kontakt bleiben.

Joahanna

Ihr könntet zum Beispiel auch mit kurzen „Alltagsskizzen“ arbeiten, in denen die Befragten typische Arbeitstage beschreiben. Wichtig ist: Der Forschungsgegenstand ist die Brücke zwischen Frage und Methode. Er entscheidet darüber, ob ihr eher biografische Erzählungen, Beobachtungen oder kurze thematische Interviews braucht.

Michael

Damit habt ihr jetzt klar: Was will ich quantitativ wissen? Was will ich qualitativ verstehen? Im nächsten Schritt kombinieren wir das zu einer echten Mixed Methods Forschungsfrage und überlegen, welches Design dazu passt.

Joahanna

Die Folien zu Mixed Methods Forschungsfragen, etwa nach Onwuegbuzie und Leech, betonen: Solche Fragen beinhalten quantitative und qualitative Forschungsfragen eingebettet in eine Fragestellung und erfordern entsprechend auch beide Arten von Daten.

Michael

In unserem Beispiel könnte eine integrierte Frage so klingen: Wie hängt der Umfang mobiler Arbeit mit der Arbeitszufriedenheit und dem organisationalen Commitment von Mitarbeitenden in einem Schweizer Unternehmen zusammen, und wie erleben diese Mitarbeitenden ihren Arbeitsalltag und ihre Zusammenarbeit unter den Bedingungen mobiler Arbeit?

Joahanna

Ihr erkennt: Der erste Teil der Frage zielt klar auf quantitative Daten ab – Zusammenhänge zwischen Umfang mobiler Arbeit, Zufriedenheit und Commitment. Der zweite Teil verlangt nach qualitativen Daten, also nach vertiefenden Beschreibungen und Deutungen des Alltags.

Michael

Spannend ist, dass diese integrierte Frage schon Hinweise auf das Design gibt. Wenn ihr beides ungefähr gleichzeitig erhebt und später zusammenführt, bewegt ihr euch in Richtung eines parallelen, sogenannt convergent Designs. Erhebt ihr zuerst quantitative Daten und nutzt danach qualitative Interviews, um auffällige Befunde zu erklären, wäre das ein explanatory Design.

Joahanna

Umgekehrt, wenn ihr mit qualitativen Interviews startet, zum Beispiel um Kategorien des Erlebens mobiler Arbeit zu identifizieren, und diese dann in einem Fragebogen verallgemeinert prüft, wäre das ein exploratory Design. Und schliesslich gibt es embedded Designs, bei denen eine Datenart zeitlich oder inhaltlich in die andere eingebettet ist.

Michael

Für eine MSc-Arbeit in der Arbeitspsychologie ist oft ein schlankes explanatory oder convergent Design praktikabel. Zum Beispiel: Ihr verschickt einen Online-Fragebogen an alle Mitarbeitenden, wertet den quantitativ aus und zieht dann auf Basis dieser Stichprobe gezielt Personen für Interviews, um bestimmte Muster zu vertiefen.

Joahanna

Im sogenannten purpose statement, das in den Folien beschrieben wird, fasst ihr dann alles zusammen: die Zielstellung der Studie, die zentrale Forschungsfrage, das gewählte Mixed Methods Design, das quantitative und qualitative Vorgehen in Kürze und die Begründung dafür, warum ein Mixed Methods Design sinnvoll ist.

Michael

Für unser Beispiel könnte die Begründung lauten: Ihr wollt einerseits robuste, generalisierbare Aussagen über Zusammenhänge treffen, braucht dafür also eine quantitative Befragung. Andererseits wollt ihr das subjektive Erleben mobiler Arbeit verstehen, etwa wie Mitarbeitende Grenzen ziehen oder Unterstützung erleben – dafür sind qualitative Interviews besser geeignet.

Joahanna

Und zusätzlich könnt ihr euch auf die Gründe für Mixed Methods nach Greene und Kolleginnen beziehen: Ihr nutzt Triangulation, um Ergebnisse zu verfestigen, Komplementarität, um quantitative Befunde zu illustrieren und zu elaborieren, und vielleicht auch Entwicklung, wenn ihr qualitative Erkenntnisse verwendet, um einen Fragebogen für spätere Projekte zu verbessern.

Michael

Wenn die Forschungsfrage und das Design stehen, kommt die nächste ganz praktische Frage: Wer soll überhaupt an der Studie teilnehmen und wie wählt ihr diese Personen aus? Genau darum geht es im nächsten Kapitel.

Michael

Beginnen wir mit den Grundbegriffen. Die Population sind in unserem Beispiel alle Mitarbeitenden des Unternehmens, die potenziell an der Studie teilnehmen könnten. Die Stichprobe ist die Teilmenge, die ihr tatsächlich untersucht.

Joahanna

Für den quantitativen Teil ist die Frage: Lassen sich die Ergebnisse aus der Stichprobe auf die Population generalisieren? Repräsentativität ist hier das Stichwort. Ideal wäre eine probabilistische Stichprobe, etwa eine einfache Zufallsstichprobe oder eine geschichtete Stichprobe, bei der ihr zum Beispiel nach Abteilungen oder Funktionen schichtet.

Michael

In der Praxis von MSc-Arbeiten habt ihr aber oft eher Gelegenheitsstichproben: Ihr verschickt eine E-Mail an alle und diejenigen, die Lust haben, machen mit. Das ist dann eine nicht-probabilistische Stichprobe. Durch Quotenstichproben könnt ihr immerhin versuchen, bestimmte Merkmalsverteilungen zu kontrollieren, zum Beispiel Geschlecht oder Abteilung.

Joahanna

Neben dem Auswahlverfahren spielt die Stichprobengrösse eine Rolle. Ihr wollt genug Personen, um die erwarteten Effekte zu entdecken – das ist die Teststärke, die Power. Gleichzeitig habt ihr begrenzte Ressourcen. Faustregeln aus der Literatur helfen, aber am Ende müsst ihr begründen können, warum eure N-Grösse angemessen ist.

Michael

Für den qualitativen Teil ist das Ziel ein ganz anderes. Da geht es nicht um Repräsentativität, sondern um Erkenntnisgewinn. Die Folien sprechen von purposive sampling, also absichtsvoller Stichprobenziehung. Ihr wählt Fälle gezielt aus, zum Beispiel typische, kritische oder extreme Fälle.

Joahanna

In unserem Beispiel könnte das heissen: Ihr wählt Mitarbeitende mit sehr hohem Anteil mobiler Arbeit und sehr niedrigem, dazu Personen mit hoher und niedriger Zufriedenheit, vielleicht aus unterschiedlichen Teams. So erzeugt ihr Heterogenität, aus der sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede gut herausarbeiten lassen.

Michael

In Grounded Theory Ansätzen wird oft theoretical sampling genutzt, bei dem ihr von Fall zu Fall neu entscheidet, wen ihr als nächstes interviewt, um eure aufkommenden Kategorien zu prüfen oder zu verfeinern – mit maximalen und minimalen Kontrasten. Für eine MSc-Arbeit ist dieser iterative Luxus manchmal nur eingeschränkt möglich, aber die Logik ist hilfreich.

Joahanna

Was die Fallzahlen angeht, geben die Folien eine grobe Orientierung: Für eine kleinere qualitative Studie, wie eine Seminar- oder Masterarbeit, sind bei halbstrukturierten Interviews etwa fünf bis zehn für einen kleinen Umfang und zehn bis zwanzig für einen mittleren Umfang realistisch. Bei Grounded Theory spricht man eher von fünf bis zehn Interviews als Untergrenze.

Michael

In Mixed Methods Designs stellt sich dann zusätzlich die Frage, wie sich die quantitativen und qualitativen Samples zueinander verhalten. Im parallelen Design könnten beide Stichproben aus derselben Grundgesamtheit stammen, aber unterschiedliche Personen umfassen. Oder ihr zieht eure qualitativen Interviewpartnerinnen und -partner gezielt aus der quantitativen Stichprobe.

Joahanna

Im explanatory Design ist es typisch, Follow-up-Teilnehmende für die qualitative Phase auszuwählen, zum Beispiel Personen mit besonders hohen oder besonders niedrigen Werten auf einer Skala. Im exploratory Design kann es umgekehrt sein: Ihr startet mit einer kleinen, qualitativen Stichprobe und entwickelt daraus Kategorien, die ihr dann im grösseren quantitativen Sample testet.

Michael

Und im embedded Design sind qualitative Daten oft in einen grösseren quantitativen Prozess eingebettet – etwa einige vertiefende Interviews zusätzlich zu einem Fragebogen. Dann stellt sich die Frage, wann die eingebetteten Daten erhoben werden und nach welchen Kriterien ihr diese Teilnehmenden auswählt.

Joahanna

Für eure Masterarbeit ist wichtig: Beschreibt transparent, wie ihr quanti- und quali-Samples gebildet habt, warum das zu euren Forschungsfragen passt und welche Limitationen sich daraus ergeben. Dann ist auch eine pragmatische Gelegenheitsstichprobe oder eine kleine qualitative Fallzahl gut vertretbar.

Michael

Im letzten Kapitel schauen wir uns jetzt an, wie ihr die beiden Datenstränge am Ende wieder zusammenführt und die Ergebnisse eurer Mixed-Methods-Studie in der Masterarbeit präsentieren könnt.

Joahanna

Wenn ihr die quantitativen und qualitativen Daten erhoben und ausgewertet habt, steht ihr vor der Frage: Wie mache ich daraus eine integrierte Geschichte, die im Forschungsbericht Sinn ergibt? Die Folien zeigen verschiedene Möglichkeiten der Ergebnispräsentation je nach Designtyp.

Michael

In parallelen Designs, also wenn ihr quanti und quali ungefähr gleichzeitig erhoben habt, werden die Ergebnisse im Bericht meist parallel dargestellt und am Ende «zusammengeschoben». Eine Möglichkeit ist eine korrespondierende Tabelle, in der ihr zentrale quantitative Befunde und passende qualitative Kategorien oder Zitate nebeneinanderstellt.

Joahanna

Ihr könnt auch quantitative Kategorien nutzen, um qualitative Ergebnisse zu gruppieren. Zum Beispiel: Ihr bildet Gruppen nach dem Umfang mobiler Arbeit oder nach Zufriedenheitslevel und zeigt dann, wie typische qualitative Muster in diesen Gruppen aussehen. So wird die Verbindung zwischen den Datenarten sichtbar.

Michael

Eine weitere Variante ist die Transformation von qualitativen in quantitative Daten, also wenn ihr zum Beispiel Codes zählt und Häufigkeiten ausweist. Das sollte aber gut begründet sein und ist in einer MSc-Arbeit eher ein Nice to have als eine Pflicht.

Joahanna

In sequentiellen Designs, also explanatory oder exploratory, ist die Darstellung generell zeitlich gestaffelt. Bei einem explanatory Design würdet ihr zuerst die quantitativen Ergebnisse berichten – zum Beispiel, dass höherer Anteil mobiler Arbeit mit leicht erhöhter Zufriedenheit verbunden ist, aber nur für bestimmte Gruppen – und dann zeigen, wie die qualitativen Interviews diese Muster erklären oder vertiefen.

Michael

Bei einem exploratory Design läuft es umgekehrt: Ihr berichtet zunächst die qualitativen Ergebnisse, etwa Kategorien von Belastungen und Ressourcen in mobiler Arbeit, illustriert mit Zitaten, und zeigt dann, wie ihr diese in Fragebogenitems übersetzt und im quantitativen Teil überprüft habt.

Joahanna

In eingebetteten Designs seid ihr sehr frei. Ihr könnt qualitative Vignetten mitten in einem quantitativ dominierten Ergebnis-Kapitel einbauen oder umgekehrt. Entscheidend ist immer, dass klar wird, wie die eine Analyse auf der anderen aufbaut oder sie ergänzt.

Michael

Inhaltlich lohnt es sich, die Begründungen für Mixed Methods, die auf den Folien stehen, mitzudenken. Fragt euch: Wo nutze ich Triangulation, also die Verfestigung von Ergebnissen durch unterschiedliche Methoden? Wo nutze ich Komplementarität, um Ergebnisse zu illustrieren oder zu klären? Wo entstehen vielleicht Widersprüche, die auf Initiation hinweisen, also neue Fragen aufwerfen?

Joahanna

Gerade Widersprüche zwischen quantitativen und qualitativen Ergebnissen können sehr spannend sein. Zum Beispiel, wenn eure quantitative Analyse keinen klaren Zusammenhang zwischen mobilem Arbeiten und Zufriedenheit zeigt, in den Interviews aber starke positive oder negative Erlebnisse auftauchen. Dann ist eure Aufgabe nicht, das wegzuerklären, sondern diese Spannung transparent zu machen.

Michael

In der Diskussion eurer Masterarbeit solltet ihr dann explizit auf die Mixed-Methods-Logik eingehen: Welche neuen Einsichten entstehen nur dadurch, dass ihr beide Datenarten kombiniert habt? Welche Limitationen hat euer Design, etwa durch kleine Stichproben oder pragmatische Sampling-Entscheidungen?

Joahanna

Und vergesst nicht: Auch die Ergebnispräsentation ist Teil eurer Argumentation gegenüber den Leserinnen und Lesern – und gegenüber der Praxis. Wichtig ist eine klare Struktur, in der sichtbar wird, wie sich der rote Faden von der Forschungsfrage über das Design bis zur Integration der Daten zieht.

Michael

Damit haben wir unseren kleinen Rundgang durch Forschungsfragen, Sampling und Ergebnisdarstellung in Mixed-Methods-Designs abgeschlossen – alles verankert an einer fiktiven MSc-Arbeit in der Arbeitspsychologie.

Joahanna

Wenn ihr gerade selbst an einer Arbeit sitzt, könnt ihr diese Folge als Checkliste nutzen: Habe ich mein Forschungsziel klar? Sind meine quantitativen und qualitativen Fragen logisch aufeinander bezogen? Passt mein Sampling dazu? Und ist schon grob klar, wie ich später die Ergebnisse integrieren will?

Michael

Falls ihr merkt, dass da noch Lücken sind, ist das völlig normal. Wie wir am Anfang gesagt haben: Die Entwicklung einer guten Forschungsfrage ist ein iterativer Prozess. Redet mit euren Betreuenden und Kommilitoninnen, schärft eure Ziele und traut euch auch, Dinge bewusst wegzulassen.

Joahanna

Damit sind wir am Ende dieser dritten und letzten Episode unserer kleinen Mixed Methods Reihe angekommen. Michael, danke dir fürs gemeinsame Durchdenken.

Michael

Danke dir, Joahanna – und danke euch fürs Zuhören. Viel Erfolg bei euren eigenen Projekten im MSc Psychologie.

Joahanna

Macht's gut und bis zum nächsten Mal – vielleicht in einem anderen Podcastformat, aber sicher mit spannenden Forschungsfragen. Tschüss!