Mixed Methods
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Mixed Methods Designs verstehen: Von Funktionen zu klassischen Designtypen

In dieser Folge von Mixed Methods sprechen Joahanna und Michael über Mixed-Methods-Designs auf Basis der zweiten Sitzung von Oliver Christ. Sie klären zunächst, was ein Forschungsdesign ist und was Mixed-Methods-Forschung ausmacht, bevor sie zentrale Funktionen wie Triangulation, Komplementarität, Entwicklung, Expansion und Initiierung anhand praxisnaher Beispiele erläutern.

Im zweiten Teil stellen sie die etablierten Mixed-Methods-Designtypen nach Creswell und Plano Clark vor: das konvergente parallele Design, das exploratory design und das explanatory design. Anhand der Shell-Jugendstudie, eines Energieversorgers und einer Smartphone-Kampagne zeigen sie, wie diese Designs konkret aussehen und welche Stärken und Herausforderungen sie mit sich bringen.

Zum Abschluss geht es um embedded (nested) Designs sowie um grundlegende Entscheidungen bei Mixed Methods nach Creswell: Reihenfolge der Erhebungen (Implementation), Priorität der Stränge, Zeitpunkt der Integration und die Rolle theoretischer Perspektiven. Die Folge orientiert sich am Stil der ersten Sitzung und richtet sich an Studierende, die einen gut verständlichen Einstieg in Mixed-Methods-Designs suchen.

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Chapter 1

Was sind Mixed-Methods-Designs – und wozu überhaupt kombinieren?

Michael

Willkommen zurück bei Mixed Methods. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute geht es um ein Thema aus der zweiten Sitzung von Oliver Christ: Mixed Methods Designs. Also: Wie planen wir Studien, in denen qualitative und quantitative Methoden sinnvoll kombiniert werden?

Joahanna

Genau, und wir knüpfen direkt an die erste Folge an. Da haben wir darüber gesprochen, was Mixed Methods überhaupt sind. Heute schauen wir uns an, wie so ein Forschungsdesign grundsätzlich aufgebaut ist und welche typischen Mixed Methods Designs ihr kennen solltet.

Michael

Vielleicht steigen wir ganz vorne ein: Was ist überhaupt ein Forschungsdesign? In den Folien steht sinngemäß: Das ist die Art und Weise, wie eine empirische Untersuchung angelegt wird. Also welche Konzepte wir untersuchen, mit welchen Mitteln wir das tun und wie wir den Ablauf der Studie planen.

Joahanna

Genau. Das ist die Planungs und Vorbereitungsphase: Ich lege fest, auf welcher Untersuchungsebene ich arbeite, welche Formen der Datenerhebung ich nutze, in welcher Reihenfolge das passiert, wie die Stichprobe gewonnen wird und welche Ressourcen ich brauche. Bevor ich an Mixed Methods denke, muss also erst klar sein, was für eine Art Studie ich überhaupt machen will.

Michael

In den Folien werden da vier klassische Studientypen genannt: explorative Studien, wenn ich erst mal entdecken will, wie sich etwas zeigt – zum Beispiel Freizeitverhalten von Mitarbeitenden. Dann deskriptive Studien, die etwas beschreiben, etwa den Krankenstand im Betrieb.

Joahanna

Dazu kommen hypothesentestende Studien mit einer klaren Vorhersage, zum Beispiel: Je größer im virtuellen Raum das subjektive Präsenzempfinden ist, desto besser ist die Erinnerungsfähigkeit. Und Evaluationsstudien, in denen geprüft wird, ob eine Maßnahme wirkt, etwa: Ist der Verkauf nach einer Marketingkampagne tatsächlich gestiegen?

Michael

Wenn dieser Rahmen steht, kommt der Realitätscheck: Welches Design kann ich mit meinen Ressourcen umsetzen? Was kenne ich, was gibt es noch, wo liegen Stärken und Schwächen, und wie weit entferne ich mich vom idealen in Richtung eines realistischen Designs, das zu Zeit und Budget passt?

Joahanna

Und dabei ist der generelle Ablauf immer ähnlich – egal ob Mono oder Mixed Methods Studie: Es gibt eine Theorie oder zumindest einen theoretischen Rahmen, daraus entsteht eine Forschungsfrage, dann Datenerhebung, Datenanalyse und Interpretation der Ergebnisse. Mixed Methods setzt hier an, indem diese Schritte in zwei Methodensträngen durchgespielt werden.

Michael

Damit sind wir bei der Definition von Mixed Methods, die Oliver nach Kuckartz zitiert: Mixed Methods Forschung kombiniert und integriert qualitative und quantitative Methoden im selben Projekt. Forschende sammeln in ein- oder mehrphasigen Designs sowohl qualitative als auch quantitative Daten, und diese beiden Stränge werden je nach Design früher oder später zusammengeführt.

Joahanna

Integration ist hier das Schlüsselwort. Es geht nicht darum, „auch noch“ ein Interview zu machen, sondern darum, Daten, Ergebnisse und Schlussfolgerungen bewusst miteinander zu verknüpfen. Das kann erst am Ende passieren – oder schon früher, zum Beispiel wenn qualitative Ergebnisse genutzt werden, um einen Fragebogen zu entwickeln.

Michael

In den Folien sieht man das als zwei Stränge: einen quantitativen Teil, sagen wir einen Fragebogen, mit eigener Fragestellung, Erhebung, Auswertung und Interpretation. Und einen qualitativen Teil, etwa Fokusgruppen oder Interviews, ebenfalls mit eigenem Ablauf. Am Ende steht dann eine Gesamtinterpretation, in der beide Stränge zusammen gedacht werden.

Joahanna

Und es wird unterschieden zwischen festen Mixed Methods Designs, bei denen das Vorgehen von Anfang an klar festgelegt ist, und emergenten Designs. Bei emergenten Designs entscheidet man während des Forschungsprozesses, wie genau die Methoden kombiniert werden – zum Beispiel, weil erst die ersten Ergebnisse zeigen, was noch vertieft werden sollte.

Michael

Bevor wir auf die vier klassischen Designtypen kommen, stellt Oliver in der Sitzung eine zentrale Frage: Warum überhaupt Mixed Methods? Was würden wir verpassen, wenn wir nur qualitative oder nur quantitative Daten erheben?

Joahanna

Daraus leiten sich die Funktionen von Mixed Methods Designs ab. Fünf davon stehen in den Folien: Triangulation, Komplementarität und Initiierung – die sind eher ergebnisorientiert – und Entwicklung sowie Expansion, die eher prozessorientiert sind. Wir schauen sie kurz mit Beispielen an.

Michael

Triangulation zielt darauf, Ergebnisse aus beiden Methodensträngen gegenseitig zu validieren. Das Beispiel: Ein Konzern will ein neues Führungssystem einführen und klären, ob sich dadurch die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitenden und Führungskräften verbessert.

Joahanna

Dazu werden mit Führungskräften halbstrukturierte Interviews zur Arbeitszufriedenheit geführt – das ist der qualitative Teil. Gleichzeitig werden die Mitarbeitenden mit einem Arbeitszufriedenheits Kurzfragebogen nach dem Züricher Modell befragt – das ist der quantitative Teil. Am Ende werden die kodierten Interviewdaten und die Skalenmittelwerte des Fragebogens zusammengeführt.

Michael

Wenn sich qualitative und quantitative Ergebnisse gegenseitig stützen, stärkt das die Aussagekraft. Und wenn sie auseinanderlaufen, ist das ein Hinweis, genauer hinzuschauen – zum Beispiel auf unterschiedliche Perspektiven von Führungskräften und Mitarbeitenden.

Joahanna

Komplementarität ist eng verwandt, hat aber einen anderen Fokus: Hier geht es darum, ein tieferes Verständnis des Phänomens zu bekommen, weil sich die Methoden ergänzen. Das Beispiel aus den Folien ist ein Möbelhaus mit einem neuen ergonomischen Schreibtisch.

Michael

Dort wird ein Werbefilm produziert und mit einer Umfrage kombiniert, die mit TAM-Items die Nutzungsintention erfasst – das ist der quantitative Teil. Parallel steht der Schreibtisch im Laden, und das Verhalten der Kund:innen wird per Video beobachtet – also eine eher qualitative, prozessorientierte Verhaltensbeobachtung.

Joahanna

Anschließend werden die Ergebnisse gegenübergestellt: Passen hohe Nutzungsintentionen aus dem Fragebogen zu dem, was man im Laden tatsächlich sieht? Bleiben die Leute stehen, probieren sie den Tisch aus, fragen sie nach Beratung? So lassen sich Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten des Produkts besser einschätzen.

Michael

Die Funktion Initiierung zielt darauf, Widersprüche aufzudecken. Im Beispiel eines Prothesenherstellers zeigt eine Fragebogenstudie, dass zufriedene Prothesenträger:innen häufiger wegen Schmerzen zum Arzt gehen – ein scheinbar paradoxes Ergebnis.

Joahanna

Um das zu verstehen, wird eine Fokusgruppe mit Chirurgen, Reha Therapeutinnen, Prothesenentwicklern, Schmerzexpertinnen und Patienten durchgeführt. In der Diskussion wird sichtbar, dass manche Patient:innen trotz Schmerzen sehr dankbar für ihre Prothese sind und diese Dankbarkeit in hohen Zufriedenheitswerten ausdrücken.

Michael

Ohne den qualitativen Teil würde man vielleicht nur staunend auf die Zahlen schauen. Die Kombination hilft hier, Widersprüche sichtbar zu machen und sie inhaltlich zu erklären – genau das ist Initiierung.

Joahanna

Die Funktion Entwicklung bedeutet, dass Ergebnisse der einen Methode genutzt werden, um die andere zu entwickeln oder zu verbessern. In den Folien ist das Beispiel eines Tests für „Digital Fitness“ im Kanton Glarus. Zuerst gibt es eine Fokusgruppe mit Berufsverbänden und dem Auftraggeber, um wichtige digitale Skills zu identifizieren.

Michael

Auf Basis dieser qualitativen Ergebnisse wird ein Test konstruiert, der diese Skills erfasst. Dann kommt die quantitative Seite ins Spiel: Mit testtheoretischem Wissen werden Items geprüft und zum Teil verworfen, es gibt eine zweite Testrunde, und weil inzwischen 1,5 Jahre vergangen sind, werden erneut Experteninterviews geführt, um zu klären, ob die Skills noch aktuell sind.

Joahanna

Ohne die qualitative Vorarbeit wäre der Test inhaltlich dünner, ohne die quantitative Prüfung wäre er psychometrisch schwächer. Mixed Methods ist hier also integraler Bestandteil der Testentwicklung.

Michael

Und schließlich Expansion: Hier wird eine bestehende Studie erweitert. Im Beispiel wird ein neues kognitives Training in einem Pflegeheim evaluiert. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass vor allem jüngere Proband:innen stark profitieren.

Joahanna

Daraufhin findet eine Fokusgruppe mit Mitarbeitenden aus Geronto Reha Einrichtungen statt. Ziel ist, die Ergebnisse besser zu verstehen und zu klären, ob und wie andere Einrichtungen ebenfalls profitieren könnten. Auf Basis dieser qualitativen Einschätzungen wird eine angepasste Evaluation in mehreren Kliniken geplant.

Michael

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Mixed Methods hilft, eine zunächst eher eng gefasste Evaluation zu verbreitern – von einem Haus zu mehreren Kliniken und von reinen Outcome-Daten hin zu einem besseren Verständnis der Rahmenbedingungen.

Joahanna

Wenn ihr euch fragt, ob ihr Mixed Methods braucht, helfen genau die Leitfragen aus der Sitzung: Welche Aspekte würden fehlen, wenn ich nur qualitative oder nur quantitative Daten erhebe? Welche zusätzlichen Erkenntnisse verspreche ich mir durch die Integration? Und welche Teile meiner Forschungsfrage lassen sich monomethodisch nicht sinnvoll beantworten?

Chapter 2

Konvergentes paralleles Design und sequentielle Designs

Michael

Damit haben wir die Funktionen von Mixed Methods im Blick. Jetzt schauen wir uns die etablierten Mixed Methods Designtypen an, wie sie Creswell und Plano Clark beschreiben. In den Folien sind vier Typen hervorgehoben.

Joahanna

Wir starten mit dem konvergenten parallelen Design, im Englischen „convergent parallel design“. Die Grundidee: Der qualitative und der quantitative Teil laufen gleichzeitig und weitgehend unabhängig voneinander, werden aber am Ende zusammengeführt.

Michael

In der Grafik sind das zwei parallele Blöcke: quantitative Datenerhebung und -analyse auf der einen Seite, qualitative Datenerhebung und -analyse auf der anderen Seite. Danach werden die Ergebnisse verglichen oder in Beziehung gesetzt und gemeinsam interpretiert.

Joahanna

Creswell unterscheidet verschiedene Priorisierungen: QUANT groß plus QUAL groß, also beide gleich wichtig, oder QUANT groß plus qual klein, wenn der quantitative Teil dominiert und der qualitative nur ergänzt – oder umgekehrt. Das richtet sich nach der zentralen Forschungsfrage.

Michael

Das Beispiel in den Folien ist die Shell-Jugendstudie. Rund 2500 Jugendliche von 12 bis 25 Jahren werden mit einem standardisierten Fragebogen zu Lebenssituation, Einstellungen und Orientierungen befragt. Parallel dazu gibt es eine qualitative Vertiefungsstudie mit explorativen Interviews.

Joahanna

Die Shell-Studie zeigt gut die Stärke dieses Designs: Man bekommt gleichzeitig einen breiten quantitativen Überblick und kann in den Interviews Themen vertiefen und einordnen. Ziel ist ein umfassendes Verständnis des Themas und die Möglichkeit, quantitative und qualitative Ergebnisse miteinander zu kontrastieren.

Michael

Stärken sind also: gleichzeitige Erhebung, das spart Zeit gegenüber streng sequentiellen Designs; Widersprüche können sichtbar werden; und verschiedene Expert:innen können parallel arbeiten. Die Kehrseite: Die Integration der Ergebnisse ist methodisch anspruchsvoll.

Joahanna

Genau. In der Praxis werden qualitative Daten oft in Kategorien überführt und mit quantitativen Ergebnissen verknüpft. Eigentlich sollten diese Kategorien unabhängig von den quantitativen Befunden entwickelt werden – das wird aber nicht immer sauber umgesetzt. Hinzu kommen Fragen zur Stichprobe und der insgesamt hohe Arbeitsaufwand.

Michael

Das bringt uns zu den sequentiellen Designs, bei denen die beiden Stränge nacheinander laufen. Creswell betont vor allem zwei Varianten: das exploratory und das explanatory design. Beim exploratory design kommt zuerst die qualitative, beim explanatory design zuerst die quantitative Phase.

Joahanna

Exploratory design heißt: Zuerst qualitativ erkunden, dann quantitativ verallgemeinern. In den Folien wird das als „Follow up Quantitativ“ beschrieben. Die qualitative Phase identifiziert Themen, Typologien oder Klassifikationen, und daraus wird zum Beispiel ein Fragebogen entwickelt.

Michael

Das Beispiel ist ein Projekt mit einem Energieversorger. Der Energieversorger möchte verstehen, welche Themen rund um regenerative Energieversorgung für Kund:innen wichtig sind. In Fokusgruppen werden unterschiedliche Stimulationen wie Tarife oder Smart Metering diskutiert.

Joahanna

Diese qualitativen Daten liefern Aussagen der Kund:innen zu den Stimulationen. Sie werden genutzt, um einen Fragebogen zu entwickeln. Anschließend werden quantitative Daten erhoben und mit Clusteranalysen Kundensegmente oder Personas identifiziert, für die spezifische Produkte entwickelt werden können.

Michael

Ziel des exploratory designs ist also Instrumentenentwicklung und die Identifikation wichtiger Themen. Die Stärke liegt im emergenten Charakter: Die qualitative Phase darf Überraschungen produzieren, die dann in der quantitativen Studie aufgegriffen werden. Die Herausforderung: Es braucht Zeit, und es sind viele subjektive Entscheidungen involviert, etwa welche Themen in den Fragebogen einfließen.

Joahanna

Das explanatory design geht die umgekehrte Richtung: Erst quantitativ, dann qualitativ vertiefen. In den Folien heißt das „Follow up Qualitativ“. Das Beispiel: eine Smartphone Marketingkampagne für 18 bis 25Jährige.

Michael

Zunächst wird aus mehreren UX-Skalen ein Fragebogen zusammengestellt. Nach einer Faktoranalyse werden fünf Faktoren identifiziert, zum Beispiel Hedonismus, Intuition, Natürlichkeit, Wertigkeit und Nachhaltigkeit. Das sind erst einmal abstrakte statistische Konstrukte.

Joahanna

Um zu verstehen, was diese Faktoren im Alltag der Zielgruppe bedeuten, wird ein Interviewleitfaden entwickelt, der genau diese fünf Faktoren thematisiert. Die Interviews verknüpfen dann die Faktoren mit konkreten Erfahrungen und Beispielen – daraus kann zum Beispiel eine erste Idee für einen Kampagnen-Spot entstehen.

Michael

Das explanatory design hilft also, quantitative Ergebnisse zu deuten. Stärken sind wieder der emergente Charakter und die Anschlussfähigkeit für quantitativ geprägte Forschende. Herausforderungen sind das große Zeitfenster, die begrenzte Planbarkeit und ganz praktisch die Frage, ob Teilnehmende für eine zweite Erhebung zur Verfügung stehen.

Joahanna

Wenn man es kurz zusammenfasst: Beim exploratory design baut die quantitative Phase auf der qualitativen auf, beim explanatory design liefert die quantitative Phase Input für die qualitative. Und beim konvergenten Design laufen beide Stränge parallel und werden am Ende zusammengeführt. Für eure eigenen Projekte könnt ihr euch fragen: Wollt ihr zuerst explorieren und dann verallgemeinern, zuerst breit messen und dann vertiefen – oder zwei Perspektiven gleichzeitig laufen lassen?

Chapter 3

Embedded Design und praktische Designentscheidungen

Michael

Der vierte etablierte Designtyp ist das embedded oder nested Design. Hier dominiert ein grundlegendes Design – meist eine quantitative oder eine qualitative Studie – und eine andersartige Methode wird in dieses Design eingebettet.

Joahanna

In der Grafik sieht man das als großen Block „quantitative oder qualitative Studie“ und darin einen kleineren Block mit eingebetteter Datenerhebung und analyse. Die Methoden beantworten leicht unterschiedliche, aber verwandte Fragestellungen, angepasst an ihre jeweiligen Stärken.

Michael

Ziel ist oft, ein experimentelles oder quasi experimentelles Design zu erweitern. Man interessiert sich nicht nur dafür, ob ein Treatment wirkt, also für das Ergebnis, sondern auch dafür, wie Teilnehmende die Intervention erleben und welche Mechanismen dahinterstehen.

Joahanna

In den Folien werden Projekte zur Energiewende skizziert, bei denen zum Beispiel eine quantitative Befragung und Literaturstudien mit eingebetteten Fokusgruppen oder Beobachtungen kombiniert werden. Der eingebettete Teil liefert zusätzliche Einsichten, ohne dass er zu einer vollständig eigenständigen zweiten Studie wird.

Michael

Die Stärke dieses Designs: Man kann unterschiedliche Forschungsfragen parallel behandeln – auf Ergebnis und auf Prozessebene. Gerade in Evaluations und Interventionsforschung ist das sehr wertvoll. Die Herausforderungen liegen wieder in der Integration der Ergebnisse und im Risiko, dass qualitative Datenerhebung selbst zum „Treatment“ wird, etwa wenn Interviews zwischen Prä- und Posttest das Erleben verändern.

Joahanna

Damit haben wir die vier klassischen Designtypen: konvergentes paralleles Design, exploratory design, explanatory design und embedded design. In der Sitzung geht Oliver dann noch einen Schritt weiter und zeigt, dass hinter all dem grundlegende Designentscheidungen stehen, die ihr bewusst treffen solltet.

Michael

Creswell nennt vier Dimensionen: Erstens die Implementation – also in welcher Reihenfolge qualitative und quantitative Erhebung stattfinden. Zweitens die Priorität – welchem Untersuchungstyp wird der Vorrang eingeräumt?

Joahanna

Drittens die Integration: Zu welchem Zeitpunkt im Forschungsablauf werden qualitative und quantitative Daten beziehungsweise Ergebnisse integriert? Schon bei der Datenerhebung, bei der Analyse oder erst bei der Interpretation? Und viertens die Rolle der theoretischen Perspektive: Ist sie explizit und bestimmt das ganze Design, oder eher implizit im Hintergrund?

Michael

Wenn man diese Dimensionen kombiniert, ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten. Creswell kommt auf 3 mal 3 mal 4 mal 2, also 72 potenzielle Mixed Methods Designs. Die vier Designtypen, die wir besprochen haben, könnt ihr euch als Prototypen vorstellen – in der Praxis gibt es viele Varianten und Mischformen.

Joahanna

In der Sitzung wird auch betont, dass viele Systematisierungen so tun, als wären die Teilstudien geschlossene Einheiten. Wenn man aber die vier Hauptphasen – Planung, Datenerhebung, Datenanalyse und Interpretation beziehungsweise Bewertung – betrachtet, ergeben sich noch mehr Möglichkeiten, Methoden zu mixen. Das macht Mixed Methods Designs sehr flexibel, aber eben auch komplex.

Michael

Für euch als Studierende heißt das nicht, dass ihr ein hochkomplexes 72 Felder Design bauen müsst. Wichtiger ist, dass ihr bewusst entscheidet: Welche Methode kommt wann, wie wichtig ist sie, wo werden die Stränge zusammengeführt und welche Rolle spielt Theorie? Dafür helfen die Reflexionsfragen aus der Sitzung.

Joahanna

Ihr könnt euch zum Beispiel fragen: Welche Aspekte würden fehlen, wenn ich nur qualitative oder nur quantitative Daten nutze? Welche zusätzlichen Erkenntnisse verspreche ich mir durch die Kombination? Und welche Teile meiner Forschungsfrage lassen sich mit einem rein quantitativen oder rein qualitativen Design nicht sinnvoll beantworten?

Michael

Ich merke das auch in meiner journalistischen Praxis: Häufig denkt man erst hinterher, dass ein zweiter Zugang hilfreich gewesen wäre – zum Beispiel eine Umfrage plus Tiefeninterviews. Mixed Methods lädt dazu ein, diese Kombination schon in der Planungsphase mitzudenken und systematisch zu gestalten.

Joahanna

Und aus HR Perspektive sehe ich das ähnlich: Gerade bei Veränderungen in Organisationen – neue Führungssysteme, Trainings, digitale Tools – ist es fast immer sinnvoll, Zahlen und Geschichten zusammenzubringen. Also zu wissen, was sich auf Kennzahlenebene tut, und gleichzeitig zu verstehen, wie Menschen diese Veränderungen erleben.

Michael

Damit sind wir am Ende dieser Folge zu Mixed Methods Designs. Wir haben gesehen, warum man Methoden kombiniert, welche Funktionen das haben kann und wie die vier klassischen Designtypen aussehen.

Joahanna

In den nächsten Sitzungen geht es dann stärker darum, wie man solche Designs praktisch umsetzt und auf welche Stolpersteine ihr achten solltet. Für heute hoffen wir, dass ihr einen klareren Blick auf Mixed Methods Designs bekommen habt.

Michael

Danke fürs Zuhören, schön, dass ihr dabei wart.

Joahanna

Und wenn ihr mögt, hört auch in die anderen Folgen der Reihe rein, da bauen wir Stück für Stück weiter auf. Bis zum nächsten Mal und tschüss!